Das gemeinsame Essen hat – trotz starker Veränderungen und Prägungen im Laufe der Evolution – einen bedeutenden Stellenwert im menschlichen Leben und in der Gesellschaft. Es ist vor allem ein wichtiger sozialer Akt, der die Bindungen und den Austausch zu unseren Mitmenschen fördert und Beziehungen stärkt.

In der Frühzeit war es zudem noch eine überlebenswichtige Handlung, um Nahrung zu teilen und die Zusammengehörigkeit in sozialen Gruppen zu stärken. Die soziale Bindung wurde in späteren Epochen verstärkt: Die Menschen begannen sesshaft zu werden und größere Mahlzeiten für Gruppen zuzubereiten. Demzufolge gibt es „unsere“ Gemeinschaftsverpflegung schon seit Anbeginn der Menschheit. Die Technologisierung dagegen bewirkte das Gegenteil: Mahlzeiten wurden häufiger allein oder nur in kleineren Gruppen eingenommen. Inzwischen ist jedoch eine Trendwende zu erkennen: Die Tendenz zur Wiederbelebung gemeinsamer Mahlzeiten wächst und Menschen erkennen die sozialen und gesundheitlichen Vorteile des gemeinsamen Essens.
Kulturanthropologe Prof. Dr. Gunther Hirschfelder (Universität Regensburg) kam während der Bonner Ernährungstage zum Schluss: „Gemeinschaftsverpflegung ist nicht nur zukunftsfähig, sondern wichtiger denn je.“

Gemeinsame Mahlzeiten und die positive Auswirkung auf die Gesundheit

Doch gemeinsame Mahlzeiten sind nicht nur für unsere sozialen Bindungen von Bedeutung. Sie haben auch einen tiefgreifenden Einfluss auf unsere Gesundheit. Wenn wir in Gesellschaft essen, schaffen wir eine positive Atmosphäre des Miteinanders, die sich positiv auf unsere psychische Gesundheit auswirkt. Die Interaktion während des Essens kann Stress abbauen und das allgemeine Wohlbefinden steigern. Menschen, die regelmäßig gemeinsam essen, neigen oft dazu, ein geringeres Risiko für Depressionen und andere psychische Gesundheitsprobleme zu haben. Zudem sind in einer Gemeinschaftsumgebung die Essgewohnheiten oft bewusster und gesünder. Wird der Gang in das Betriebsrestaurant zum Health-Care-Ritual?

Zunehmende Herausforderungen und widersprüchliche Anforderungen

Trotz aller sozialer Vorteile, die die Gemeinschaftsverpflegung bietet, kämpft diese aber auch mit zahlreichen Herausforderungen. Ganz vorne dran: die Homeofficerate. Denn durch die „Alleinesser“ fehlen den Betriebsgastronomen wertvolle Gäste.
„Was nicht alles von der GV erwartet wird: Das Essen soll preisgünstig, gesund, sättigend, energiedicht, lecker und abwechslungsreich sein, aber die Currywurst darf auch nicht fehlen. All diese Erwartungen kann die GV im Prinzip gar nicht erfüllen“, fasst Prof. Dr. Gunther Hirschfelder den Erwartungsdruck zusammen.
In Summe ergibt das eine breite Palette an Problemstellungen: Steigenden Kosten für Lebensmittel, Energie und Löhne; Personalmangel und gestiegene Qualitätsanforderungen – bspw. höherer Bio-Anteil – die ebenfalls wieder zu Preissteigerungen führen.

Digitale Strategien als Lösungsansatz

Lösungsansätze für diese Herausforderungen bietet die Digitalisierung. In nahezu allen Bereichen können digitale Maßnahmen tatkräftig unterstützen: Kochroboter werden zunehmend interessanter, Softwarelösungen versprechen präzise Vorausberechnungen der Abnahmemenge (an welchem Tag welche Gerichte wie oft verkauft werden), Bestellsysteme werden immer intuitiver und kundenfreundlicher – die digitale Revolution in der Gemeinschaftsverpflegung schreitet immer weiter voran. Food-Blogger und Innovationsexperte Hendrik Haase hat während der Bonner Ernährungstage aber angemerkt: „Ohne eine fokussierte digitale Strategie in der GV können die Potenziale für Deutschland nicht ausgeschöpft werden.“

 

Doch worauf soll der Fokus gelegt werden? Zwei Beispiele:

    1. (Vor-)Bestellungen per App werden in der Gemeinschaftsverpflegung immer beliebter. Für Gäste wird der Prozess – von der Auswahl der Speisen bis zum Bezahlen – erheblich vereinfacht. Gastronomen wiederum können dank der Vorbestellungen den Bedarf besser planen und haben ihre Verkäufe sicher.
    2. Serviceroboter sind dagegen das Tool, dem Personalmangel zu begegnen. Sie entlasten das vorhandene Personal durch die Abnahme körperlich schwerer Arbeiten (Stichwort Geschirr schleppen), tragen so zu einer Verbesserung der Arbeitsbedingungen bei und das Personal hat wieder mehr Zeit, sich auf seine Kernaufgaben zu konzentrieren. Das Vorurteil, die Bots würden Arbeitsplätze wegnehmen, hat in Zeiten des anhaltenden Personalmangels keinen Bestand mehr.

Wie kann die Gemeinschaftsverpflegung zur Ernährungswende beitragen?

Ein Thema, das an der Gemeinschaftsverpflegung nicht vorbeigehen kann, ist die Ernährungswende: Weniger Fleisch, dafür mehr pflanzliche Produkte sollen im Sinne des Tier- und Umweltschutzes auf den Teller – nach Möglichkeit regional und fair produziert.
Bei steigenden Kosten und weniger Gästen eine Mammutaufgabe für die Betriebsgastronomie. Da sorgte die auf Engagement von Apetito Catering, Aramark, Compass Group, Deutsches Tiefkühlinstitut, Dussmann, Genuss & Harmonie, gvpraxis, K&P Consulting, Klüh Catering, Mercedes-Benz Gastronomie, Soda Group, Sodexo und Wisag neu gegründete Gipfelrunde der Gemeinschaftsgastronomie (GDG) für Überraschung. Während des 26. Fachsysmposiums von K&P Consulting in Düsseldorf, überreichte die GDG ein Positionspapier an die Parlamentarischen Staatssekretärin im Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) Dr. Ophelia Nick. Diese lobte den gemeinsamen Ansatz der Initiative und versprach, sich für die Belange der Branche einsetzen zu wollen. Unter dem Titel „Es geht um die Zukunft des Essens“, sind nicht nur die Position, sondern auch konkrete Handlungsempfehlungen aufgeführt:

  • Wir fordern von der Politik einen Schulterschluss, die Unternehmen und Akteure der Gemeinschaftsgastronomie in die Umsetzungsplanung der Ernährungsstrategie aktiv einzubinden.
  • Wir fordern von der Politik ein ganzheitliches Nachhaltigkeitsverständnis, das über Bio & Co hinausgeht.
  • Wir fordern von der Politik Rahmenbedingungen, die es ermöglichen, dass nachhaltiges Arbeiten wirtschaftlicher ist als konventionelles.

Wie die Zusammenarbeit jedoch konkret aussehen wird, wird erst in den kommenden Wochen und Monaten erarbeitet.

Fazit: Trotz der Herausforderungen ist die GV wichtiger denn je

Digitale Strategien unterstützen Gastronomen bei der Bewältigung bevorstehender Herausforderungen: Beispielsweise können Prozesse optimiert und dadurch Kosten gesenkt werden, Roboter federn den Personalmangel ab. Gleichzeitig wird sich in Berlin in puncto Ernährungswende stark gemacht, um so bessere Bedingungen in der Betriebsgastronomie zu schaffen. Nicht zuletzt trägt die Gemeinschaftsverpflegung – durch das entsprechende Speisenangebot – einen entscheidenden Beitrag für eine gesundheitsfördernde und nachhaltige Ernährung bei. Und nicht zu vergessen: der soziale Aspekt des gemeinsamen Essens – geht mit dem Meet & Eat Modul der Mittagstisch App sogar noch einfacher.  😉